Isolde Saalmann hat ein Problem. Okay, das haben die allermeisten von uns, das eine oder andere Problem. Aber manche Probleme kann man sich auch konstruieren, wenn einem fad ist und man offensichtlich sonst keine zu bewältigen hat. Wie Frau Saalmann. Während das ganze Land offiziell die Erbschuld seiner Vergangenheit auf seinen Schultern trägt und um Vergebung bittet, wenn es sagt “Ja, wir Deutschen waren böse”; währenddessen würde die Frau Saalmann, ihres Zeichens SPD-Politikerin aus Braunschweig, den Hitler gerne wieder los werden. Der Hitler soll kein Deutscher mehr sein, sagt sie. Der Spiegel schreibt:
Fast 62 Jahre nach seinem Tod droht Adolf Hitler der Verlust der deutschen Staatsangehörigkeit: Eine SPD-Politikerin aus Braunschweig will seine Einbürgerung von 1932 annullieren - als “symbolischen Schritt”.
Mal von der juristischen Tatsache abgesehen, daß es völlig unmöglich ist, jemandem, der, unter welchen Umständen auch immer, einmal Deutscher geworden ist, diesen Status wieder zu entziehen, wenn derjenige dann staatenlos wird und diese Regelung immerhin im nicht ganz unwichtigen Grundgesetz dieses Landes zementiert ist (und das mit gutem Grund, haben doch gerade die Nazis von der Methodik der Ausbürgerung regen Gebrauch gemacht), also wie gesagt, davon mal völlig abgesehen - was will die gute Frau denn damit bezwecken? Deutlich machen, daß der Herr Hitler nie einer von uns war?
Bäh, der war gar kein Deutscher, der war Schluchtenscheißer, der Schisser, der, ohne die Österreicher gäb’s das all gar net, sollen die den doch zurücknehmen, mir wolle den net yadda yadda keif
Sowas hätte man sich vielleicht vor rund 75 Jahren überlegen sollen. Aber ihn jetzt (als symbolischen Akt, ooohoo) loswerden zu wollen, weil die Erinnerung an ihn etwas unangenehm ist - das klingt irgendwie auch danach, als wolle man damit auch die Verantwortung für die eigene Vergangenheit abstreifen. Hallo? Wir wissen alle, daß es so etwas wie die Erbschuld nicht gibt - und gäbe sie es, würden wir sie damit auch nicht los. Und die Tatsache, daß seinen Ergüssen eine nicht unbeachtliche Menge von gebürtigen Deutschen gebannt und nickend bis jubelnd gelauscht hat, macht die Abschiebung eines unliebsamen Staatsbürgers auch nicht wett.
Wie langweilig muß einem Politiker sein, daß er (sie) mit einem solchen Unfug an die Öffentlichkeit tritt? Wir (also dieses Land als Entität) haben uns die Scheiße eingebrockt, also müssen wir (s. o.) auch damit umgehen.

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