Automatische Paßkontrolle
by darph
Die Frankfurter Allgemeine Zeitung berichtet (via lawblog) über die Einführung von automatisierten Einreisekontrollen am Frankfurter Flughafen. Inhaber eines biometrischen Reisepasses können sich die Einreiseerlaubnis nun von einem emotionslosen Automaten bestätigen lassen, anstatt von einem gelangweilt bis genervt dreinblickenden Bundespolizeibeamten.
Das Vorgehen dazu ist geradezu kurios:
Der Reisende legt seinen Pass auf ein Lesegerät. Dann betritt er die Schleuse, in der er von einer Digitalkamera fotografiert wird. Ist der Pass echt und stimmen die biometrischen Daten darauf mit dem Foto überein, öffnet sich die Glastür, und der Fluggast kann einreisen. Ansonsten bleibt die Tür geschlossen, und der Passagier wird von Bundespolizisten nochmals überprüft.
Und das Ganze in 15 Sekunden, wie der Herr Wurm von der Bundespolizei versichert. Ich behaupte mal, daß da spätestens zur Urlaubszeit (achtung, schlechter Scherz) massiv der Wurm drin sein wird. Der Reisepaß ist zehn Jahre gültig. Genug Zeit, um sich zu verändern, auch wenn das jetzt in der Pilotphase kein Problem darstellen sollte. In meinem Fall hatten drei Monate gereicht, um den Beamten die Echtheit des Photos anzweifeln zu lassen. Brille und Bart.
Hat man sich im Urlaub einen Bart wachsen lassen? Die Bilderkennung wird gewiß versagen. Trägt man eine Brille, die man bei der Aufnahme des Paßphotos abnehmen mußte? Die Bilderkennung wird versagen. Hat man zwischenzeitlich eine andere Frisur? Die Bilderkennung wird versagen.
In all diesen Fällen wird also wieder der Beamte einschreiten müssen. Jetzt kann man davon ausgehen, daß der Beamte zu Stoßzeiten nicht gerade erst aus seinem Büro angestratzt kommen kann. Also wird er seinen Posten neben der Station einnehmen und aus Sicherheitsgründen wird davon auszugehen sein, daß es nicht nur bei einem Polizisten bleibt. Die Anlage ersetzt also niemanden. Selbst wenn die Anlage funktioniert, es könnte ja sein, daß ein Einsatz nötig wird. Die Anwesenheit von Sicherheitskräften bleibt zwingend notwendig.
Ich bin ja mal gespannt, ob irgendwann rauskommt, wie viel Zeit und Geld wirklich eingespart wurde (die Abschreibung der Anschaffung gar nicht mitgerechnet). Vermutlich eher weniger.
Comments
Ich bin eigentlich davon ausgegangen dass auf jeden Fall einer oder mehrere Beamte da bei dieser Anlage rumstehen. Von vornherein.
Der Vorteil den ich bei der Sache ausmachen kann, liegt in der Leistung des Computers, alle Personen zu kennen, nach denen gefahndet wird.
Das sind sicherlich eine ganze Menge. Auch abseits von Terrorismusbla.
Leute werden auch wegen anderer Dinge gesucht.
Als ich zuletzt in Frankfurt abgeflogen bin, saß da ein Bundespolizist in einem Kabuff mit Fenster und hat einen äußerst kurzen Blick auf den Pass geworfen. Und dann wieder zurück auf seine Zeitung oder wasauchimmer geblickt. Niemand kann mir erzählen, dass der in diesem Moment im Geiste alle Namen der aktuellen Fahnungsliste durchgegangen ist.
Der Computer, der den Pass ausliest, kann das in Bruchteilen von Sekunden.
Was das mit der Videokamera und dem Abgleich von Passfoto und momentanem Erscheinungsbild soll, erschließt sich mir so gar nicht.
Um festzustellen, ob eine Person auch Besitzer des präsentierten Passes ist, wird man um menschliche Augen mit dahintergeschaltetem Verstand vermutlich noch eine ganze Weile nicht herumkommen.
Im außereuropäisch beurspünglichten Reiseverkehr wird bereits jetzt der Paß elektronisch ausgewertet. Der Beamte legt den Paß auf ein Lesegerät und gibt ihn dann zurück. Oder ruft seine Freunde – jenachdem, was der Abgleich gebracht hatte. Entsprechend kann der Beamte dann auch kurz die drei Bilder vergleichen: Das, das er sieht, wenn er einem in’s Gesicht schaut, das, was im Paß klebt und das, was der Computer anhand der RFID-Daten im Paß aus seiner Datenbank gefischt hat. Die beiden letztgenannten sollten wohl die gleichen Bilder sein, dann ist der Paß zumindest echt. Weichen die beiden Bilder jetzt nicht allzusehr von der Person ab, die ihn mit sich führt, ist dann auch alles in Ordnung.
Die Kamera kann dann nur im letztgenannten Vergleich einspringen, aber wie du schon sagtest: Das wird ein Mensch ob der mannigfaltigen Möglichkeiten, ein Gesicht ganz legal zu verändern, die nächsten zehn Jahre durchaus besser können, als die Kamera.